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TOPTHEMA: CO₂-NEUTRALITÄT

CO₂-Neutralität ist eines der dominierenden Themen auf der kommenden 10. Fachtagung für neue Fahrzeug- und Werkstoffkonzepte „WerkstoffPlus Auto“, welche am 19. und 20. Februar in Stuttgart stattfinden wird.

Wir haben Dr. Marko Gernuks, den Leiter der Life Cycle Optimierung, zu den konkreten Zielen und deren Umsetzung bei Volkswagen befragt.

 

Gernuks_Marko_DrDr. Marko Gernuks
Leiter Life Cycle Optimierung bei Volkswagen seit 2010

 

Sehr geehrter Herr Dr. Gernuks, Der VW-Konzern ist einer der Vorreiter in der deutschen Industrie in Sachen CO₂-neutraler Produktion. Was haben Sie sich konkret vorgenommen?

Dr. Gernuks:
Volkswagen will entsprechend der Pariser Klimaziele bis 2050 bilanziell CO₂-neutral werden. Als wichtigen Meilenstein haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2025 30% unserer CO₂-Emissionen zu reduzieren. Dieses Ziel bezieht sich auf den gesamten Lebenszyklus und umfasst dementsprechend unsere gesamte Lieferkette, unsere eigene Produktion sowie natürlich die Nutzung der Fahrzeuge mit den Fahremissionen und der Kraftstoff- bzw. Strombereitstellung. In unserer eigenen Produktion wollen wir die CO₂-Emissionen pro Fahrzeug bis 2025 um 50 Prozent gegenüber 2010 verringern.

 

Wie gehen Sie im Konzern methodisch vor?

Dr. Gernuks:
Die wichtigste methodische Grundlage für die gesamtheitliche Betrachtung sind unsere Life Cycle Assessments (LCA, dt. Ökobilanzen) nach ISO 14040, mit denen wir systematisch und detailliert die Emissionen in der Lieferkette, der Produktion, der Nutzungsphase und Verwertung unserer Fahrzeuge analysieren. Daraus erkennen wir, wo die Hotspots im Fahrzeug-Lebenszyklus liegen. Bei E-Fahrzeugen hat beispielsweise die Li-Ionen-Batterie in der Lieferkette und der Produktion den größten Einfluss auf den Carbon-Footprint. Auf dieser Basis haben wir mit unseren Batterielieferanten vereinbart, grünen Strom für ihre Produktion einzusetzen.. Das vermindert den CO₂-Footprint der Batterie um über 25 %.

 

Was sind für Sie aktuell die größten Herausforderungen zur CO₂-Reduktion in Lieferkette und Produktion?

Dr. Gernuks:
Nach der Li-Ionen-Batterie haben wir weitere Hotspot-Bauteile bzw. –Werkstoffe im Visier, um unseren Carbon-Footprint weiter zu senken. Eine wichtige Voraussetzung sind jedoch belastbare Daten. Heute werden LCAs meistens mit durchschnittlichen Daten z.B. von Verbänden erstellt, die dann in kommerziellen Datenbanken verfügbar sind. Diese Daten werden bisher von Fachleuten in spezifischen und aufwendigen Projekten erhoben, um die erforderliche Datenqualität sicherzustellen. Wenn nun zukünftig vermehrt spezifische Daten von Lieferanten erhoben werden sollen, ist ein standardisiertes, effizientes Verfahren eine notwendige Voraussetzung.

 

Sie werden sich auf der WerkstoffPlus Auto im Rahmen der Podiumsdiskussion mit anderen Experten darüber unterhalten, was CO₂-Neutralität für die automobile Lieferkette bedeutet. Was erwarten Sie zukünftig von Ihren Lieferanten und welche Rolle wird das Thema beispielsweise für die Auswahl von Leichtbautechnologien haben?

Dr. Gernuks:
Wir freuen uns über Lieferanten, die einen aktiven Beitrag zur CO₂-Reduzierung leisten wollen. Dazu gehören - wie in unserer eigenen Produktion - die Verbesserung der Energieeffizienz, der Einsatz von CO₂-optimierten Energieträgern oder die Nutzung von Sekundärrohstoffen. Bei Leichtbautechnologien wird es neben der Gewichtseinsparung zu möglichst geringen Kosten auch darauf ankommen, die Leichtbauwerkstoffe mit einem möglichst geringen Carbon-Footprint herzustellen. Für ausgewählte Schwerpunktumfänge werden wir zukünftig umweltspezifische Anforderungen in die Lastenhefte aufnehmen.

 

Herr Dr. Gernuks, vielen Dank für die wertvollen Impulse. Wir freuen uns auf die Beiträge von Volkswagen und die Expertendiskussion mit Ihnen bei der WerkstoffPlus Auto 2020.

 

Das Interview führte Herr Dr.-Ing. Elmar Beeh vom DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte.